Schnee?? Aber sicher !

verschneites Tännlein

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken,
Schneeflöcklein leis herniedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
häuft sich ein kleiner weisser Zipfel….

Besser hätte man das kaum sagen können. Loriot muss ein (Nord) Harzer gewesen sein.
Die Kenner und Bewunderer des Feingeistes wissen natürlich, wie die Geschichte ausging. Die Tat wurde mit einer Eiseskälte geplant und ausgeführt, von der Wintersportfreunde in unseren Breitengraden oft nur träumen können.
Die Loriotsche Frage “Wussten Sie schon, dass die Alpen einen ganz erbärmlichen Anblick bieten, wenn man sich die Berge einmal wegdenkt?” ist denn auch Öl ins Feuer Ihrer Sehnsüchte. Stimmt, wenn man von vorne guckt, ist der Harz wirklich das Höchste im Norden und gerade an Tagen wie diesen, wo Schneeflöcklein ohne fremde Hilfe von selbst herniedersinken, scheinen die alpinen Qualitäten des Harzes über jeden Zweifel erhaben. Im Vergleich der Skifahrerdichten (Anzahl Skifahrer je m² Piste) würde sich der Oberharz jedenfalls souverän vor den Alpen einreihen. Die Wartezeiten an den Skiliften sind sogar international konkurrenzlos. Diese Spitzenplätze werden wohl nun bald verloren gehen. Angesichts der ständig steigenden Spritpreise haben Wirtschaftsexperten aus Ost und West errechnet, dass Wintersportler im Harz vielmehr Geld ausgeben könnten, wenn ihnen die Benzinkosten in ferne Alpenregionen erspart blieben. Wozu die Kohle den Tirolern in den Rachen werfen, wenn sie hier doch mindestens genauso gut gebraucht wird. Die Experten haben auch schon ganz genau berechnet, was benötigt wird, um die Wurmberger Buckelpiste und den Schierker Winterberg in ein Wintersportparadies der Superlative zu verwandeln. Es müssen lediglich ca. 6000 Bäume aus dem Weg geräumt und an manchen Tag mit Kunstschnee nachgeholfen werden. Ein paar neue Skilifte – und schon kann es losgehen. Alles ganz einfach. Der Tiroler macht es doch auch nicht anders.
Die Weichen in Wernigerode und Braunlage sind längst gestellt. Bedenken wurden geprüft und für unbegründet erklärt. Dass die Winter in den Alpen durchschnittlich 7° kälter sind, scheint nicht weiter tragisch sein. Dafür sind bei uns die Bergstationen wesentlich niedriger. Was das wieder an Energie spart, wenn man mit dem Baumaterial nicht so weit laufen muss.
„Ein Leben ohne Kunstschnee ist möglich, aber sinnlos,“ hätte der alte Meister gesagt und ohne, dass er je vom Berliner Großflughafen, der Hamburger Elbphilharmonie, dem Stuttgarter Hauptbahnhof und einem Wintersportzentrum im Harz gehört hätte, wusste er trefflich auf den Punkt zu bringen:

“Männer haben mehr Phantasie! Eine Frau wäre niemals zum Mond geflogen. Das ist eine reine Männeridee. Wenn uns Frauen regierten,hätten wir vielleicht kein Satelliten-Fernsehen, aber eine Menge Geld gespart.”

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Dornrödchen heizt nicht

Und wenn kein Prinz kommt ?Ja, Sie sehen richtig. Die Abbothekenrundschau lebt noch. Der Atem geht zwar etwas flach- aber immerhin.
Der Lebenswille des Patienten hat sich durch ein paar aufmunternde Worte ein wenig gerappelt. Er hatte schon garnicht mehr geglaubt, daß es jemandem auffallen würde, wenn er einfach das Licht ausließe.
Wenn Sie wollen, geht es hier also weiter. Natürlich wird die Abbothekenrundschau auch in Zukunft keine Tageszeitung werden. So ergiebig ist der Dorfklatsch im Laden nun auch wieder nicht.
Falls Sie mehr über das Dorfleben erfahren möchten, würde ich Ihnen gern zur Überbrückung die neue Ausgabe der Heimatzeitung ans Herz legen, zu der auch die Abbotheke ein paar Beiträge beigesteuert hat.
Dort können Sie dann auch nachlesen ob Dornrödchen wirklich nicht heizt- und wenn ja, warum nicht.
Die Zeitung gibt es wie immer bei uns im Laden, aber auch beim Autodienst Mahlert” oder über die (neue) Homepage des Heimatvereins.
Abbenröder Heimatblatt

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Mühlenweihnacht

Wer stapft da fluchend durch den Tann?
Ist das nicht der Weihnachtsmann?
Er hat es eilig und er lockt,
mit Möhren ein Kamel. Das bockt

Sein Rentier, das er lang gehegt,
hat der TÜV ihm stillgelegt.
Es wär’ nicht sicher im Verkehr.
Ein neues Lasttier musste her!

Der Händler offerierte schnell
ein Sondereditionsmodell.
Mit neuster Hochtechnologie,
sei ausgestattet dieses Vieh.

Oh, wie sich da die Balken bogen.
Die Bilder in den Kata logen.
Statt Soundanlage, Navi, Klima,
gabs Fellbezug und Kompass. Prima!

Er wollt’ noch reklamieren, blos
war der Termindruck schon zu groß.
Der Händler hinterhältig lacht:
„Das zweite Lichtlein ist entfacht!“

„Und wenn die dritte Kerze brennt,
ist Mühlenweihnacht im Advent.“
Da bleibt dem leidgeprüften, guten
Mann nur schleunigst sich zu sputen.

Als Dienstleister von altem Holz,
ist Pünktlichkeit sein ganzer Stolz.
Und wenn das Vieh er tragen muss.
Zur Not nimmt er den Linienbus.

Um Sechzehndreissig, ist sein Motto,
klopft er ans Tor der Mühle Otto.

… und damit er dort dann nicht allein steht, laden der Reha- und Gesundheits- sowie der Heimatverein alle Abbenröder und ihre Gäste am 3.Advent ab 15.00 herzlich ein, sich in der festlich geschmückten Mühle in weihnachtliche Stimmung versetzen zu lassen.
Während die Märchenfee den kleinen Gästen auf dem Mühlenboden aus ihrem großen Buch vorliest, können die erwachsenen Besucher selbstgebackene Kuchen, Bratwurst, Glühwein und andere Leckereien probieren.
Technikbegeisterte können mit eigenen Augen den Mahlvorgang der Mühle bestaunen und anschließend am Lagerfeuer das Mehl zu Stockbrot verarbeiten.
Sie sind doch auch dabei, oder ?

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Abbenröder Bücherstrich

Als die ersten kräftigeren Herbstwinde am vergangenen Wochenende die Sitzgruppe von der Terasse schubsten wurde langsam klar, dass dem Altweibersommer nun bald die Puste ausgehen und Petrus sich nicht länger davon abhalten lassen würde, den Hebel von “schön” auf “schiet” zu stellen. Wenn der Bursche allerdings meint, uns damit ärgern zu können, so hat er sich massiv getäuscht. Erstens gibt es, wie der Volksmund weiss, kein schlechtes Wetter sondern nur unpassende Kleidung und zweitens, drittens und viertens (beliebig fortzusetzen) kann man sich auch auf der Couch durchaus gemütlich einrichten. Was gibt es Schöneres, wenn draussen der Wind heult und der Regen ans Fenster prasselt, als sich mit einem spannenden Buch in den Sessel zu kuscheln ? Na gut, vielleicht noch ein Gläschen Rotwein dazu und ein knisterndes Feuer im Kamin… Eventuell Sex. Aber hin und wieder braucht man eine Pause und würde gern einfach weiterlesen. Doch auch das spannendste Buch hat eine letzte Seite und nicht immer ist man danach schon wieder in Form. Schön wäre daher in solchen Situationen die problemlose Beschaffung eines Anschlussbuches.
Nun schrieben wir auf diesem Blog bereits mindestens einmal über die Vor- und Nachteile von Onlineshops. Einer der besten Nachschublieferanten für Literatur (und andere Dinge, auch Rotwein) ist ohne Zweifel Amazon. Ein Mausklick und spätestens übermorgen liegt das Zweitbuch auf dem Couchtisch oder bei uns in der “Abbotheke” zur Abholung bereit. (Falls Sie aus verständlichen Gründen dem Briefträger gerade nicht öffnen konnten. Irgendwie musste man sich ja die Lieferzeit verkürzen.) Auf gleiche, komfortabele Art und Weise lassen sich auch dritt-,…., zwölft- odet x-t Buch ordern. Dann wird allerdings das Taschengeld schon langsam knapp und die Wohnqualität beginnt nachzulassen, weil man beim Gang zum Kühlschrank über Bücherstapel stolpert.
Für die Lösung dieser Probleme hat die Seviceabteilung der “Abbotheke” nun endlich eine Lösung ersonnen.
Es ist ganz einfach und genau wie im richtigen Leben: Wer seiner Alten überdrüssig ist, überlässt sie dem Nachbarn und versucht es einmal mit dessen. Oder so. Die “Abbotheke” übernimmt dabei die Rolle der Partnervermittlung, natürlich absolut diskret. Folgendermaßen haben wir uns das vorgestellt:
Bei Ihrem nächsten Besuch bringen Sie sie einfach unverbindlich mit und wir überlegen gemeinsam, ob man sie überhaupt noch jemandem anbieten kann. Sollte das der Fall sein, werden sie ordentlich registriert und in der Auslage platziert, damit sie jeder sehen kann. (So eine Art Herbertstrasse für Bücher). Nun wird es nicht lange dauern, bis die Freier Leser daherkommen und beginnen, sie zu begutachten und zu befummeln. Der Rest ist dann nur noch Formsache. Man einigt sich auf einen Preis und zieht mit den Auserwählten auf die heimische Couch. (Ein Hotel haben wir in Abbenrode ja leider nicht.) Dort vergnügt man sich halt- und hemmungslos und ohne weitere Verpflichtungen. Ist man ihrer überdrüssig, wirft man sie raus. Oder bringt sie dorthin zurück, woher man sie geholt hat.
Das ist doch cool, oder ?

Und so funktioniert es.

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9. September 2012, Tag des offenen Denkmals

Dieser Tag hat sich schon lange zu einem Geheimtipp für Geschichtsinteressierte entwickelt. Besonders die deutschen Museen bereiten sich intensiv auf diesen Jahreshöhepunkt vor und zeigen Exponate aus ihren Archiven, die zu den normalen Öffnungszeiten den Besuchern nicht zugänglich sind. Mancherorts werden spezielle Kinderevents organisiert, um dem Nachwuchs geschichtliche Zusammenhänge spielerisch vor Augen zu führen. Die Deutsche Stifttung Denkmalschutz bietet auf ihrer Homepage viele Informationen zu den regionalen Veranstaltungen.
Neben den “richtigen” Museen wird in vielen Städten aber auch Einblick in historische Einrichtungen gewährt, die sonst für Besucher nicht ohne Weiteres zu besichtigen sind. Dazu gehören alte Handwerksbetriebe genauso wie Kirchen, Parks oder Gärten u.v.a.m. Auch in unserem Harzkreis gibt es an diesem Tag viel zu sehen. Allein in Wernigerode mit seinen Ortsteilen stehen 32 Denkmale zur Auswahl. Lohnende Ausflugsziele sind natürlich auch Goslar, Quedlinburg, Blankenburg,Ilsenburg, Drübeck und andere Orte an der Strasse der Romanik.
Auch in Abbenrode haben die Jahre, nach seiner Begründung durch den Mönch Abbo um ca. 900 ihre Spuren hinterlassen. Im Heimatmuseum, das in der Regie des Heimatvereins betrieben wird, werden die prägenden geschichtlichen Ereignisse im Dorfleben wieder lebendig. Einen breiten Raum nimmt das Mühlenhandwerk ein, das seit jeher eine dominierende Rolle im Dorf spielte. Sehr anschaulich wird aber auch das Leben in der Sperrzone des DDR-Grenzgebietes dargestellt. Selbst “gelernte” Ossis müssen sich dort oft eingestehen, dass der Wind im Zonenrandgebiet noch ein wenig stärker pfiff als in den etwas grenzferneren Regionen des Arbeiter- und Bauernstaates.
Am Tag des offenen Denkmals wird neben dem Museum auch die St.Andreaskirche mit ihrer wertvollen Contiusorgel aus dem Jahre 1708 und ihrem mittelalterlichen Altar (1468) von 14.00 bis 17.00 Uhr zu besichtigen sein (Bild oben).
Nach einer kurzen Wanderung auf dem Mühlenwanderweg zu den historischen Mühlenstandorten kann in der vollständig sanierten Mühle Otto beim Schaumahlen zugeschaut werden.
Der Heimatverein wird sich, wie immer, mit Kaffee und selbstgebackenen Kuchen auf seine Besucher vorbereiten und freut sich auf viele neugierige Fragen.

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stille Post

Woran erkennt man, dass das nebenstehende Bild schon ziemlich alt sein muss? Richtig. Heute würde die junge Dame die Liebeschwüre ihres Liebsten von einem Smartphone ablesen. Ohne das Bett dabei verlassen zu müssen, könnte sie ihm auch stante pede online eine kleine Standpauke halten: “Statt schon wieder mit Deinen Kumpels um die Häuser ziehen, hättest Du ja wenigstens mal den Müll runterbringen können!”

Fluch und Segen der neuen Technik liegen halt immer sehr dicht beieinander. Früher hätte die Dame ihrem Kavalier das Süssholz wohl kritiklos abnehmen müssen, denn er konnte sein mangelndes Engagement im Haushalt immer glaubhaft mit Informationsdefiziten aufgrund langer Brieflaufzeiten begründen. Heute können ihm eigentlich nur noch ein leerer Akku oder ein Funkloch einen Hauch von Freiheit und Selbstbestimmung bewahren.

Die Deutsche Post hat lange überlegt, wie sie die Bedürfnisse des technikbegeisterten und überwachungssüchtigen Ehegesponses mit dem Verlangen nach Souveränität und Romantik ihrer besseren Hälfte in ihre Marketingstrategie presst. Dabei sind so interessante Dinge wie epost.de und Onlineporto herausgekommen. Die Idee dahinter sieht vor, dass er abends unbehelligt um die Häuser ziehen kann, während ihr das Gefühl vermittelt wird, trotzdem alle Fäden in der Hand zu halten. Eingehüllt in ein zartes Negligé und mit einem Glas Champagner auf dem Nachtschrank kann die Dame von Welt ihrem Gemahl nun eine Ansichtskarte direkt aus dem Ehebett schicken. Und wo sie nun schon halbnackt am (virtuellen) Postschalter steht liegt, lässt sie sich sicher auch noch zu anderen Dingen verführen. Ein Blumenstraus ? Klick. Bitte schön. Die Briefmarkensammlung, wegen der sie ihm damals eigentlich nur in die Junggesellenbude gefolgt war und die sich dann als Mutters Konsummarkenheft erwies? Klick, -ach lieber Doppelklick. Bitte schön. Und Omizon und Seelando sind ja auch nur ein paar Mausmillimeter entfernt…. Und wenn sich das schicke rote Kleid vom Bildschirm in Natura als unförmiges Zweimannzelt in leberwurstrosa herausstellt? Auch kein Problem. Der Retoureschein liegt schon dabei und den Rest erledigt die Abbotheke.
Ja, so läuft das heute. Noch ! In Wirklichkeit ist es nämlich wie im Märchen. Ihr erinnert Euch? Im Märchen hatte man immer die Wahl zwischen zwei Wegen: dem bequemen, geradlinigen und dem steilen, steinigen. Und Ihr wisst sicher auch noch, welcher Weg letztendlich nur zum Ziel führte. Richtig!
Natürlich ist es wenig dramatisch, wenn die Post ihre Filiale in Abbenrode für überflüssig erklärt, weil die Kunden den Umsatz ohnehin im Internet machen. Und wer schon online eine Paketmarke gekauft hat, der schafft es auch irgendwie bis an einen Postschalter- notfalls auch in Ilsenburg.
Geniesst Eure Stunden im Negligé! Es kommen auch wieder andere Zeiten.

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planlos – zeitlos

Vorgestern- der große Zeiger stand kurz vor Feierabend, das Geschirr war schon abgewaschen- zog ich gutgelaunt den Stöpsel aus der Spüle im Lagerraum und sah einer schillernden Seifenblase nach, die in immer kleinerwerdender Spirale den Abfluss hektisch umkreiste. Gleich würde sie der Mahlstrom verschlingen. Doch urplötzlich schien der Gott der Seifenblasen seine Pläne geändert zu haben. Keine Ahnung, wie ER es bewerkstelligte, aber ER ließ es aus dem Abfluss kräftig blubben und verfüllte den Schlund des Strudels von unten mit einer trüben Brühe. In der Mitte des Beckens schwappte triumphierend die Blase. Interessiert beobachtete ich den göttlichen Eingriff und wartete, was wohl weiter passieren würde. Aber der Herr schien seine Mission für beendet gehalten zu haben. Sicher war ER wieder vor den Fernseher geeilt, wo ER mit seinem blöden Trick nun den Griechen aus dem tschechischen Trichter helfen wollte. Während Gott Salpingidis, Fortounis und Co. ungelenk über den Rasen manövrierte, keimte in mir der Verdacht auf, dass ER uns mit einer größeren Verstopfung gesegnet hatte und nicht Willens war, sich an deren Beseitigung selbst zu beteiligen. Ernüchtert bewaffnete ich mich mit Eimer, Lappen und Werkzeug und machte mich selbst ans Werk. Ich löste vorsichtig die Überwurfmutter des Geruchsverschlusses, (wie gut übrigens, dass diese Gerüche verschlossen sind !!) aber ausser den üblichen x Litern Wasser, die immer neben den Eimer gehen, war nichts Auffälliges zu entdecken. Mit einem Draht popelte ich im Abflussrohr herum, aber bis auf ein paar Brocken gräulichen Schleimes bekam ich nichts an den Haken, was das Problem erklärt hätte. Also mussten größere Geschütze aufgefahren werden. Irgendwann, vor vielen Jahren, hatte mich aus einem Ramschkarton im Baumarkt eine Profi-Rohr-Reinigungs-Spirale angelacht, die man sich ja mal “für alle Fälle hinlegen” konnte. So ein Fall war nun eingetreten. Froh über meine damalige Weitsicht sprang ich ins Auto, um das wertvolle Teil aus der heimischen Garage zu holen. Dort stand auch eine aus dem gleichen Grund angeschaffte Flasche “Rohrreinigungspulver”, die ich ebenfalls einpackte.
Zurück im Lagerraum schob ich siegesgewiss die Spirale in das Abflussrohr und drehte ein paar mal an der kleinen Kurbel, die an ihrem Ende angebracht war. Dann zog ich sie unter weiterem Drehen vorsichtig wieder heraus und sah- nichts! Aber ich hatte ja noch das Pulver! Unter strikter Einhaltung aller laut Beipackzettel notwendigen Sicherheitsvorkehrungen schüttete ich mit zitternder Hand den vorgeschriebenen Esslöffel voll des Wundermittels in den Abfluss und ließ nach der empfohlenen Einwirkdauer von 15 Minuten sogar noch ein paar zusätzliche Sicherheitssekunden verstreichen, bevor ich die nun angegebenen zwei Tassen Wasser nachfüllte. Drei Viertel der zweiten Tasse mussten auf ihrem Weg ins Rohrinnere wieder umdrehen und plätscherten unschuldig auf meine Schuhe. Aha. Die Vorgaben auf der Flasche waren etwas für Looser. Jetzt also vierfache Menge und doppelte Zeit! Gott saß schon mit den Tschechen beim Pils.
Routiniert hantierte ich mit Pulver, Spirale und Wassertasse gleichzeitig. Gott hatte ganze Arbeit geleistet ! Die Verstopfung hielt mehr, als ER es sich selber vorstellen konnte.
Inzwischen hatte ER es zwischen zwei Pils geschafft, sich beim Spiel Russland gegen Polen mit einem 1:1 vor einer Entscheidung zu drücken. Auch die Randale der Hooligans in Warschau ließen ihn kalt. Entweder gibt es also doch keinen Gott, wie ich schon immer vermutete, oder er verträgt kein Pils oder er ist einfach ein Arschloch. Mit dieser Erkenntnis, rollte ich die Spirale zusammen und beschloss, den Abfluss am nächsten Tag in professionelle Hände zu legen.
Der nächste Tag war gestern. Pünktlich um 9 Uhr standen die Profis mit entschlossener Miene im Laden. Verächtlich schauten sie auf meine Ramschkistenspirale. “Damit kommste natürlich nicht weit. Hier, schau mal!” Stolz entfalteten sie ihre elektrisch angetriebene Hightechspirale. Siegesegewiss schoben sie den sechzehnmeterlangen Edelschnorchel Stück für Stück ins Rohr bis er vollends darin verschwunden war und liessen ihn von einem kleinen Motörchen dabei permanent um seine Längsachse kreisen: vor, zurück,…, vor, zurück,… und ganz raus. Das sah toll aus. Jetzt tat sich auch etwas im Abfluss- allerdings an einer Stelle, an der es niemand erwartet hatte. Unter der Eistruhe im Verkaufsraum war uns bei unserem Einzug schon ein Plastikrohr aufgefallen, das dort aus dem Fußboden ragte und offensichtlich funktionslos war. Da es uns nicht weiter störte, verschlossen wir es und schoben die Truhe darüber. Jetzt quoll plötzlich eine Art Gallert unter dem Gerät hervor und dann eine kleinere Flutwelle. Erschrocken schoben die Profis die Truhe zur Seite, rührten verlegen mit der Schuhspitze in der Pampe und schoben sie anschliessend achselzuckend wieder an ihren Platz. Vielleicht hat es ja niemand gesehen. Hatte ich aber !!
Nach drei Stunden und häufigem Achselzucken packten sie ihre sieben Sachen und erklärten, daß sie ohne Installationsplan nicht weiterkämen.
Nicht weiter schlimm. Ein Anruf beim Vermieter- und schon konnte ich den Profis für den nächsten Tag (also heute) das Erscheinen eines Beauftragten des Vermieters mit allen Plänen versprechen.
Der Kollege kam überpünktlich. Stolz zog er ein Papier aus der Tasche, auf dem ich die Umrisse des Gebäudes erkennen konnte, in dem sich die “Abbotheke” befindet. Es waren auch einige Linien zu sehen, die wohl Rohrleitungen darstellen sollten. Na, ein Verdacht? Richtig! Der Abfluss, um den es konkret ging, war leider nicht eingezeichnet. Pech. Ratlos liefen wir gemeinsam um das Haus und entdeckten dabei, an einer Stelle, an der (theoretisch) der Abfluss aus dem Gebäude kommen könnte eine Absenkung im Erdboden. Sollte hier etwa im Laufe der Jahre eine seismische Verschiebung stattgefunden haben, die nun den Abfluss verschloss ? Dann mußte ein Bagger her. Der Abgesandte der Gemeinde wurde blass. Zur Genehmigung derartiger Großvorhaben war er nicht befugt, aber er versprach uns, irgendeinen Antrag bevorzugt weiterzuleiten. Na wenigstens etwas.
Im Laden können ab sofort Wetten abgegeben werden, wann das Problem beseitigt ist.

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komische Kunden

bevölkerten am Freitag die Abbotheke.
Die “Buckelgesellschaft” hat wie in jedem Jahr viel Kreativität beim Ersinnen ihrer Kostüme bewiesen. Derart ausstaffiert ziehen sie am Vortag des Schützenfestes durchs Dorf und sammeln Spenden für das Kinderfest und den Rentnernachmittag.
Für diesen Zweck greifen auch die meisten gern in die Tasche und legen ein paar Euro in die Sammelbüchse.
die Simpsons

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Abbenrode feiert feste Feste

Auf der Checkliste des Vorsitzenden des Heimatvereines sind alle Haken gesetzt. Wie in jedem Jahr ist das Abbenröder Mühlenfest perfekt geplant. Wenn die Meteorologen recht behalten, wird der Pfingstmontag mit viel Sonne, leichter Bewölkung und Temperaturen um 20°C ideale Voraussetzungen für das große Freiluftvergnügen bieten. Daß das Konzept der Abbenröder stimmig ist, beweisen über 1.600 zufriedene Gäste aus dem Vorjahr. Für viele Familien ist bereits die Möglichkeit der Anreise mit dem Fahrrad durch die blühende Feldflur oder das romantische Eckertal ein hinreichendes Motiv für diesen kleinen Pfingstausflug. Wenn man unterwegs die kleinen Radler jedoch noch mit dem Besuch einer echten, alten Mühle, die sogar noch richtiges Mehl mahlt, und einem großen Eis locken kann, dann kann es mitunter schonmal passieren, dass man Probleme bekommt, das plötzlich verschärfte Tempo durchzuhalten.

Aber auch an die nicht so sportlichen Gäste wurde gedacht. Wem ein Bummel auf dem ca. 3 km langen Mühlenwanderweg zu beschwerlich ist, kann die alten Mühlenstandorte auch vom Kremser aus bestaunen

und unterwegs viel Wissenswertes über diese Handwerkstradition erfahren. Einen Zwischenstopp sollte man in der historischen Stellmacherein “Zimmermann” einlegen, in der der Hausherr auf alten, transmissionsgetriebenen Maschinen die Herstellung von Wagenteilen demonstriert.

Die eigentliche “Festmeile” befindet sich jedoch in und um die Mühle “Otto” und das Heimatmuseum “Zur Linde”. Dort steht wie immer die Gulaschkanone mit leckerer Erbsensuppe, gibt es Kaffee und selbstgebackenen Kuchen, Bratwurst …. und alles zu sehr familienfreundlichen Preisen.

Bevor dann der Effekt der morgendlichen Radtour vernichtet zu werden droht, sollte man sich lieber einer Führung durch das Heimatmuseum anschliessen. Dort wurden viele Zeugnisse der wechselvollen, bereits 926 Jahre währenden, Abbenröder Geschichte liebevoll zusammengetragen und präsentiert. Eine sehr interessante Sammlung dokumentiert u.a. das Leben im hermetisch abgeriegelten Grenzdorf quasi im Saumbereich des “Eisernen Vorhanges.”

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass man es bis zum Abend geschafft hat, alle Highlights des Mühlendorfes Abbenrode besichtigt zu haben, muss niemand traurig nach Hause fahren. Bereits ab Freitag, den 1.Juni gibt es einen neuen Anlass, hierher zurückzukehren.

Dann wird wieder gefeiert! Diesmal das Schützenfest.

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Endstation oder Wendepunkt ?

Ach, was muss man oft von bösen

Kindern hören oder lesen …

Diesen Stoßseufzer hat vor und nach Wilhelm Busch schon immer die reifere Bevölkerungsschicht getan, wenn sie mit dem Treiben ihrer “missratenen Nachkommenschaft” konfrontiert wurde. Obwohl der Generationenkonflikt schon so alt ist wie die Menschheit selbst, wurde bislang kein annehmbares Mittel überliefert, das ein einträchtiges Zusammenleben gewährleisten könnte.

Auch wenn manch einer beim Anblick der regelmässig in den Abbenröder Bushaltestellen abhängenden Jugendlichen sicher gerne nochmal die Rohrstockmethode ausprobieren würde oder das Teeren und Federn wieder einführen, sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass das unsere Kinder sind, die dort stehen. Und sie sind durch unsere Erziehung so geworden, wie sie sind. Pubertieren ist ein harter Job. Es ist nicht leicht, täglich seinen Rang in der Hackordnung aufs neue zu behaupten. Da müssen auch mal unkonventionelle Mittel herhalten. Während das im Tierreich mit auffallendem Federschmuck und/oder betörender Stimmkraft auf natürliche Weise geregelt ist, müssen die Menschenkinder zu immer neuen Methoden greifen. Da werden ganze Bildergalerien in die Haut gestanzt, das Defizit an eigener Musikalität wird mit dröhnenden Beats aus Lautsprecherboxen gepusht und das Revier wird mit grellbunten Runen und stinkenden Substanzen markiert. Hinter der schrillen Fassade verbirgt sich nichts anderes als die Sehnsucht nach Anerkennung.

Der Praxistest brachte denn auch das überhauptnicht erstaunliche Resultat, dass man mit den Jugendlichen an der Bushaltestelle vernünftig reden konnte, wenn man es nur wollte. Es kamen auch keine unerwarteten Erkenntnisse ans Tageslicht. Genau schon wie zu unserer Zeit ist die Bushaltestelle nur Notunterkunft. Im Winter frieren die Jugendlichen dort ebenso, wie jeder andere Mensch frieren würde. Lieber würden sie sich im Jugendklub treffen, der ein ungenutztes Dasein fristet, weil ihre Altersgenossen aus vorangegangenen Generationen durch nächtliche Ruhestörung für seine Schließung sorgten.

In dieser Situation zeichnet sich eine Lösung ab, in der es nur Gewinner gibt:

Im Dorf hat sich eine “Jugendbrigade” gebildet, der neben den Jugendlichen auch junge Erwachsene, und engagierte Dorfbewohner angehören. Gemeinsam soll erreicht werden, dass der Jugendklub wieder ein Treffpunkt mit regelmässigen Öffnungszeiten und interessanten Angeboten wird. Den Jugendlichen ist klar, dass der Weg dorthin nicht einfach sein wird. Unter kostenloser und freiwilliger Anleitung von ortsansässigen Handwerkern wollen sie zunächst die Bushaltestellen wieder in einen ordentlichen Zustand versetzen, um damit ihren guten Willen für einen Neuanfang im Klub unter Beweis zu stellen. Die “Aufsicht” an den Klubabenden wollen jungen Erwachsene übernehmen, die heute teilweise bereits selber Eltern sind und über ihre eigenen früheren Eskapaden selbst nur noch den Kopf schütteln.

Ein (lösbares) Problem ist die Finanzierung dieser Pläne. Natürlich hoffen die Jugendlichen auf die Unterstützung durch die Gemeindeverwaltung und Sponsoren für die Materialien, die zur Renovierung benötigt werden. Es gibt allerdings auch schon Vorschläge, wie die Mittel aus eigener Kraft erwirtschaftet werden können.

Wenn sich also demnächst ein paar Jugendliche mit Werkzeug an den Bushaltestellen zu schaffen machen, dann heisst das nicht, dass die Zerstörungswut einen neue Dimension erreicht hat. Sie sind dann lediglich dabei, die Endstation zu einem Wendepunkt für alle Dorfbewohner umzubauen.

Nachtrag vom 07.05.2012

Die auf dem Foto abgebildeten Jugendlichen haben die Sorge geäußert, dass aufgrund des Blogartikels der Eindruck entstehen könnte, dass die Schuld am desolaten Zustand des Wartehäuschens bei ihnen läge.
Hiermit möchte ich ausdrücklich klarstellen, dass eine Schuldzuweisung nicht beabsichtigt war. Die Beschädigungen waren das Werk von mehreren Generationen. Die Jugendlichen auf dem Foto sind diejenigen, die sich bereiterklärt haben, anzupacken um wieder für Ordnung zu sorgen ( es gibt noch weitere Aktive, die jedoch zum Fototermin nicht anwesend waren.)

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