Endstation oder Wendepunkt ?

Ach, was muss man oft von bösen

Kindern hören oder lesen …

Diesen Stoßseufzer hat vor und nach Wilhelm Busch schon immer die reifere Bevölkerungsschicht getan, wenn sie mit dem Treiben ihrer “missratenen Nachkommenschaft” konfrontiert wurde. Obwohl der Generationenkonflikt schon so alt ist wie die Menschheit selbst, wurde bislang kein annehmbares Mittel überliefert, das ein einträchtiges Zusammenleben gewährleisten könnte.

Auch wenn manch einer beim Anblick der regelmässig in den Abbenröder Bushaltestellen abhängenden Jugendlichen sicher gerne nochmal die Rohrstockmethode ausprobieren würde oder das Teeren und Federn wieder einführen, sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass das unsere Kinder sind, die dort stehen. Und sie sind durch unsere Erziehung so geworden, wie sie sind. Pubertieren ist ein harter Job. Es ist nicht leicht, täglich seinen Rang in der Hackordnung aufs neue zu behaupten. Da müssen auch mal unkonventionelle Mittel herhalten. Während das im Tierreich mit auffallendem Federschmuck und/oder betörender Stimmkraft auf natürliche Weise geregelt ist, müssen die Menschenkinder zu immer neuen Methoden greifen. Da werden ganze Bildergalerien in die Haut gestanzt, das Defizit an eigener Musikalität wird mit dröhnenden Beats aus Lautsprecherboxen gepusht und das Revier wird mit grellbunten Runen und stinkenden Substanzen markiert. Hinter der schrillen Fassade verbirgt sich nichts anderes als die Sehnsucht nach Anerkennung.

Der Praxistest brachte denn auch das überhauptnicht erstaunliche Resultat, dass man mit den Jugendlichen an der Bushaltestelle vernünftig reden konnte, wenn man es nur wollte. Es kamen auch keine unerwarteten Erkenntnisse ans Tageslicht. Genau schon wie zu unserer Zeit ist die Bushaltestelle nur Notunterkunft. Im Winter frieren die Jugendlichen dort ebenso, wie jeder andere Mensch frieren würde. Lieber würden sie sich im Jugendklub treffen, der ein ungenutztes Dasein fristet, weil ihre Altersgenossen aus vorangegangenen Generationen durch nächtliche Ruhestörung für seine Schließung sorgten.

In dieser Situation zeichnet sich eine Lösung ab, in der es nur Gewinner gibt:

Im Dorf hat sich eine “Jugendbrigade” gebildet, der neben den Jugendlichen auch junge Erwachsene, und engagierte Dorfbewohner angehören. Gemeinsam soll erreicht werden, dass der Jugendklub wieder ein Treffpunkt mit regelmässigen Öffnungszeiten und interessanten Angeboten wird. Den Jugendlichen ist klar, dass der Weg dorthin nicht einfach sein wird. Unter kostenloser und freiwilliger Anleitung von ortsansässigen Handwerkern wollen sie zunächst die Bushaltestellen wieder in einen ordentlichen Zustand versetzen, um damit ihren guten Willen für einen Neuanfang im Klub unter Beweis zu stellen. Die “Aufsicht” an den Klubabenden wollen jungen Erwachsene übernehmen, die heute teilweise bereits selber Eltern sind und über ihre eigenen früheren Eskapaden selbst nur noch den Kopf schütteln.

Ein (lösbares) Problem ist die Finanzierung dieser Pläne. Natürlich hoffen die Jugendlichen auf die Unterstützung durch die Gemeindeverwaltung und Sponsoren für die Materialien, die zur Renovierung benötigt werden. Es gibt allerdings auch schon Vorschläge, wie die Mittel aus eigener Kraft erwirtschaftet werden können.

Wenn sich also demnächst ein paar Jugendliche mit Werkzeug an den Bushaltestellen zu schaffen machen, dann heisst das nicht, dass die Zerstörungswut einen neue Dimension erreicht hat. Sie sind dann lediglich dabei, die Endstation zu einem Wendepunkt für alle Dorfbewohner umzubauen.

Nachtrag vom 07.05.2012

Die auf dem Foto abgebildeten Jugendlichen haben die Sorge geäußert, dass aufgrund des Blogartikels der Eindruck entstehen könnte, dass die Schuld am desolaten Zustand des Wartehäuschens bei ihnen läge.
Hiermit möchte ich ausdrücklich klarstellen, dass eine Schuldzuweisung nicht beabsichtigt war. Die Beschädigungen waren das Werk von mehreren Generationen. Die Jugendlichen auf dem Foto sind diejenigen, die sich bereiterklärt haben, anzupacken um wieder für Ordnung zu sorgen ( es gibt noch weitere Aktive, die jedoch zum Fototermin nicht anwesend waren.)

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Vorsicht Kamera

Abbenrodetourist
Gestern ereignete sich in der Abbotheke folgende nette Episode:
Eine ältere Dame kommt zögernd zur Kasse: “Entschuldigung, wo liegen denn bei Ihnen die Filme ?”
” ??? Filme??”
“Ja, Farbfilme zum Fotografieren.”
“Oh, soetwas haben wir leider nicht im Angebot. Die werden Sie wahrscheinlich nochnichteinmal mehr in allen Fachgeschäften finden.”
“Haben Sie dann vielleicht wenigstens eine Ansichtskarte von Abbenrode?”
“Ansichtskarten von Abbenrode? Danach hat ja noch nie jemand gefragt. Keine Ahnung, ob es soetwas überhaupt gibt. Aber ich habe privat noch ein paar alte Filme zuhause und wenn Sie wollen, kann ich Ihnen davon morgen einen schenken.”
“Das ist leider zu spät. Wir haben nur eine Stunde Zeit hier im Dorf.”

Nun ist es soweit. Der erste Bus ist scheinbar angekommen. Der Tourismus beginnt zu boomen und hier pennt noch alles auf dem Ast. Wir werden auf alle Fälle erstmal einen größeren Posten Sonnenmilch ordern und unsere alten Liegen auf die Rasenfläche gegenüber vom Laden stellen. Vielleicht können wir auch noch unseren Sonnenschirm vermieten?
Die Shoppingmeile deckt die Abbotheke locker ab. Aber wo machen wir das Vergnügungsviertel? Wer übernimmt die Tourismusinformation ?
Es gibt noch viel zu tun!

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alles Banane


Heute morgen 9.30 Uhr in Deutschland: im Kollegenkreis gibt es ein Geburtstagskind. Die Mannschaft rottet sich auf dem Flur zusammen, um dem Kollegen Knoppers (richtiger Name ist der Redaktion bekannt) die kollektiven Glückwünsche auszusprechen. Dieser bemüht sich um einen erfreut-überraschten Gesichtsausdruck, während er schlaff hingehaltene Hände schüttelt.
Wie im ungeschriebenen Abteilungskodex festgelegt, hat der Jubilar den Gratulanten mit Süssigkeiten und/ oder selbstgebackenem Kuchen für die gestammelten guten Wünsche zu danken. Auf einem kleinen Tisch steht neben der unvermeidlichen Haribogroßraumschüssel und der Negerkussbox ein appetitlich wirkender Kuchen mit einer dicken Schokoladenschicht obenauf. Nach kurzem, symbolischen Zieren geht es zur Sache. Wer weiter hinten steht, muss mit einem Randstück vorlieb nehmen. Unter der Schokolade verbergen sich Bananen- lecker!
Der Bericht des großzügigen Spenders zum Kuchen macht nachdenklich:
Die Bananen hat er von seinem Nachbarn geschenkt bekommen. Dieser arbeitet bei der Tafel und darf die Lebensmittel mit nachhause nehmen, die dort übrig bleiben. Er freut sich immer, wenn ihm Freunde und Nachbarn wenigstens von den Bananen einige abnehmen. Er gibt ihnen dann auch nur ausgesuchte Früchte. Sobald sie etwas überreif sind und kleine Flecken haben, gehen sie nur noch als Futter für sein Pferd.
Es ist gut, daß er uns das erzählt hat. Früher habe ich Berichte über die Tafel immer mit welken Kohlköpfen und altbackenen Brötchen assoziiert. Nun bin ich beruhigt.

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Frühlingsfreuden IV

Aber auch der schlimmste Stress geht vorüber. Froh verfolge ich, wie sich der Uhrzeiger zielstrebig auf den Feierabend zubewegt und lächele meinem Lieblingskunden (LK) zu. Ich sehe ihm an, dass er den ganzen Nachmittag wieder einen harten Kampf mit sich auf der Couch auszutragen hatte: Aufstehen oder Liegenbleiben. Wie fast täglich musste sich die Bequemlichkeit der Sehnsucht nach fünf bis sechs gepflegten Tassen Kaffee und der entsprechenden Menge Kuchen geschlagen geben. Nun sitzt er strahlend auf seinem Stammplatz und mümmelt an einem Donut, während ich das vierte Mal die Zuckerdose für ihn auffülle. Zucker stärkt die Nerven. Sagt man. Mein LK hat Nerven wie Stahlseile. Fasziniert beobachte ich, wie er nun trotz der späten Stunde mit einem Rundgang durch den Laden beginnt. Durch fachkundigen Druck mit seinen grazilen Fingern findet er unter allen Bananenstauden diejenige mit dem optimalen Reifegrad heraus und legt mir zwei Früchte davon auf die Waage. Auch Pralinen, Käse und Wurst unterzieht er dem Drucktest. Heute besteht leider nur ein kleiner Schmelzkäse. An der Fleischtheke setzt LK voll auf Risiko. Ohne angefasst zu haben, darf ich ihm satte 75 g Hackfleisch abwiegen. An der Kasse wartet er geduldig, bis ich seine Einkäufe eingetippt habe und ihm die Endsumme nennen kann. Seinem Gesicht sehe ich an, dass der Betrag gefährlich dicht an seiner Schmerzgrenze liegt. Aber er sagt keinen Ton. Würdevoll kippt er den Inhalt seiner Geldbörse auf den Ladentisch und ich darf mich an seinen Ersparnissen bedienen. Großzügig verzichtet er auf 2 Cent Wechselgeld und schlurft hoheitsvoll zum Ausgang. Traurig schaue ich ihm nach. Ich liebe meinen LK!

Als die Tür ins Schloss fällt, sehe ich auf die Uhr. Mein LK hat mich den Ladenschluss völlig vergessen lassen. Jetzt bin ich gut drauf und könnte glatt noch ein paar Stündchen weiterarbeiten. Ich kann es mir hier auch ohne Kundschaft nett machen. Voller Freude stelle ich fest, dass von den 5 kg Hackfleisch, das ich heute morgen frisch durch den Wolf (nicht Wulf) gedreht habe noch 4.925 g übrig sind. Na siehst Du, geht doch! Beschwingt nehme ich mir ein paar Zwiebeln aus der Gemüseabteilung und stelle die Pfannen auf den Herd. Ich liebe Frikadellen!

Nun gibt es wirklich nichts mehr zu tun. Ich lösche die Lichter, verschließe die Türen, öffne mein Auto und sehe die Ware, die ich nach meinem Einkauf im Großmarkt durch meine Schusseligkeit vollkommen vergessen habe. Ich nehme die Kisten, schließe mein Auto, öffne die Türen, schalte das Licht an und trage alles in den Laden. Ich starte den Computer, buche den Wareneingang, kontrolliere die Preise und drapiere alles schön in die Regale. Danach fahre ich den Rechner wieder runter, lösche die Lichter, verschließe die Türen, öffne mein Auto und fahre heim. Dort werde ich schnell Abendbrot essen und dann zu Bett gehen. Beim Einschlafen werde ich noch eine Weile den Vögeln zuhören, die sich schon lauthals um die besten Nistplätze streiten. Denn es ist Frühling. Ich liebe den Frühling.

Frühlingsfreuden III

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Frühlingsfreuden III

Nun rase ich zum Großmarkt. Grundsätzlich mag ich es, bewafnet mit einem Einkaufszettel zielgerichtet durch die Gänge zu ziehen und die Preise zu vergleichen. Es geht aber auch anders. Ich habe schließlich ein gutes Gedächtnis. Während ich krampfhaft überlege, wem ich zu wann versprochen hatte 10 %-ige Kaffeesahne wieder zu bevorraten oder ob es doch eher 40%-iger Wodka war, sprinte ich durch die Gänge und schichte wahllos Ware in meinen Einkaufswagen. Unruhig stehe ich danach in der Schlange und beobachte die große Wanduhr. Es ist kaum noch zu schaffen, pünktlich wieder im Laden zu sein. Ich hasse den Großmarkt !

Mit dem Glockenschlag stoppe ich vor der Abbotheke. Gern hätte ich schnell die Ware entladen aber, da biegt das Postauto um die Ecke. Während ich dem Fahrer noch helfe, das Riesenpaket von Herrn Krautwackel auf die Ladefläche zu hieven, höre ich, wie an der Straße der Schulbus hält und sich eine fröhlich lärmende Kinderschar ins Freie ergießt. Sie rennen quer über die Rasenfläche, die noch nicht trockener ist, als am Morgen und rackeln an der Klinke. Sie sind im Recht. An der Tür steht klar und deutlich: von 15.00 bis 18.00 Uhr. Jetzt ist es bereits 15:00:05 Uhr. Schuldbewusst beeile ich mich mit dem Aufschließen und lasse die Horde an mir vorbei in den Laden stürmen. Einer von ihnen hat irgendwo 5 Cent aufgetrieben und man kauft wieder gemeinsam den Hariboschlumpf. Jetzt gebe ich mir noch mehr Mühe als am Morgen. Aber auch diesmal verliere ich beim Versteckspielen. Nachdenklich mache ich mir mit dem Wischmopp an den Lehmbatzen zu schaffen, die 75 76 Kinderfüße auf dem Fußboden hinterlassen haben. Liebe ich Kinder?

Nun wird es hektisch. Die werktätige Bevölkerung hat Feierabend und hält auf dem Heimweg vor der Abbotheke an. Zügig belädt sie ihre Einkaufskörbe und stutzt höchstens, wenn die Hand beim Griff nach der Mehltüte oder der Butter ins Leere trifft. Dumm gelaufen. Die stehen im Großmarkt. Ja Herrschaften, man wird ja wohl mal etwas vergessen dürfen! Wütend stopfe ich Geldscheine in meine Kasse und ziehe EC-Karten durch den Schlitz. Wo sind wir denn hier? Ich hasse Hektik!

Frühlingsfreuden II                                                                         Frühlingsfreuden IV

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Frühlingsfreuden II

Frau Bullschmidt liebt ebenfalls keine schwarzen Brötchen und geht bereits nach 30 Minuten. Nun bin ich zwar bestens darüber informiert, was Frau Gassenkötter mit dem Gasmann treibt, wenn der Gatte morgens das Haus verlässt (für solche Exklusivberichte liebe ich Frau Bullschmidt), aber nun muss ich mich sputen. In ein paar Minuten beginnt die Mittagspause, in der ich einige wichtige Dinge zu erledigen habe. Jetzt muss ich nur noch schnell die Regale checken und eine Einkaufsliste schreiben, damit ich beim Großhandel zügig neue Ware holen kann. Mit sehr viel Glück und Rückenwind kann ich das schaffen und den Laden nach der Pause wieder pünktlich aufschließen. Ich liebe meine Mittagspause.

Ich warte, dass der große Zeiger auf die Zwölf springt und gehe mit dem Schlüssel zur Tür. Da sehe ich, wie sich diese öffnet und ein großes Paket auf kleinen Beinchen durch den Spalt wankt. „Da bin ich ja gerade noch rechtzeitig!“ An der Stimme erkenne ich, dass es sich bei den Beinchen um die unteren Extremitäten von Herrn Krautwackel handelt. Herr Krautwackel ist ein echter Hartzer und schaut abends lange fern. Das weiß ich von Frau Bullschmidt. (Ich liebe Frau Bullschmidt!) Morgens schläft er dafür gern ein Stündchen länger. Herr Krautwackel hat wenig Geld und kann sich die meisten Dinge aus unserem Angebot nicht leisten. Nach Abzug der Nebenkosten und der Alimente reicht es gerade so für Bier und Zigaretten. Hin und wieder verkauft er ein paar Gegenstände, die er irgendwo findet im Internet, um sich auch mal ein Fläschchen Korn zu gönnen. Man hat ja sonst nichts vom Leben. Offenbar war es ihm wieder einmal gelungen, etwas Größeres zu verkaufen, das er nun in unserer Poststelle verschicken möchte. Mit geschwollenen Stirnadern und heftig transpirierend wuchtet er den riesigen Karton auf die Paketwaage. Interessiert schaut er zu, wie ich den Paketaufkleber für ihn ausfülle, da ihm meine Handschrift besser gefällt als die eigene. Das Porto ist ihm eigentlich zu teuer, aber da habe ich keinen Spielraum. Hier herrscht das Preisdiktat der Post. Zähneknirschend zieht er ein paar leere Flaschen aus seinem Rucksack und zahlt mit dem Pfandgeld. Na siehst Du, es geht doch! Schnell verkaufe ich ihm noch eine Flasche Notbier zur Überbrückung und erkläre ihm geduldig, weshalb er jetzt keinen Kaffee hier trinken kann. Nach kaum zwanzig Minuten hat er schon begriffen, dass der Laden eigentlich bereits seit zwanzig Mnuten geschlossen hat und trottet ergeben zum Ausgang. Ich liebe Herrn Krautwackel!

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Frühlingsfreuden I

Die linden Lüfte sind erwacht… Herrlich wie sich in aller Herrgottsfrühe die ersten Piepmätze vor dem Schlafzimmerfenster lauthals um den besten Nistplatz streiten. Nachtschlaf wird völlig überbewertet. Ich liebe die Vögel!

Morgens wird es schon wieder zeitig hell und ich kann durch das Ladenfenster sehen, wie die Kinder ausgelassen über die Rasenfläche tollen, um sich die Wartezeit auf den Schulbus zu verkürzen. Sie kreischen vor Vergnügen und scheinen gar nicht zu bemerken, dass die Erde noch feucht ist und unter ihren Schuhen klebt, wenn die ganze Horde in die Abbotheke gestürmt kommt um zu beobachten, wie sich der Glückspilz mit dem höchsten Taschengeldnettoeinkommen einen Hariboschlumpf für 5 Cent an meinem Thresen fachmännisch aussucht. Nach einem ausführlichen Beratungsgespräch packe ich den Gummiwicht liebevoll in eine Papiertüte und überreiche sie dem Vertreter der künftigen Zielgruppe. Schön, wie heimisch sich die Racker bei mir hier fühlen. Leider kann ich ihnen kein vollwertiger Spielkamerad mehr sein. Zum Fangen bin ich zu langsam und zum Versteckspielen zu unkonzentriert. Schließlich muss ich nebenbei den Schlumpf verkaufen. Mit dem Schulbus entfernt sich dann das Kinderlachen. Traurig schaue ich ihm nach, während ich den Lehm vom Fußboden kratze. Irgendwo müssen die Mädel und Buben ja spielen. Dass im Regal ein paar Süßigkeiten fehlen, ist in Ordnung. Das ist der Einsatz für meine Schusseligkeit beim Versteckspielen. Ich habe halt wiedermal verloren. Ich liebe Kinder!

Das Wischwasser ist noch nicht ganz trocken, da kommt Opa Müllermann in den Laden geschlurft. Opa Müllermann hat mir schon gestern und vorgestern und vorvorgestern von seinem Fußpilz erzählt und nimmt redegewandt den Faden sofort wieder auf. Gebannt lausche ich seinen Ausführungen und bemerke dabei nicht, wie sich die Brötchen im Backofen hinter meinem Rücken mit einer lackschwarzen Kruste überziehen. Ich liebe Fußpilz !

Leider wird Opa Müllermann durch das Erscheinen von Tante Hildegard in seinen Ausführungen unterbrochen und tritt mit leeren Händen den Heimweg an. Opa Müllermann liebt keine schwarzen Brötchen.

Nun beginnt Tante Hildegard einen Monolog über die Gedächtnisprobleme ihres Gatten, doch schon nach 20 Minuten öffnet sich erneut die Ladentür und Frau Bullschmidt betritt die Szene. Tante Hildegard verstummt augenblicklich und verlässt die Abbotheke, ohne etwas gekauft zu haben. Offenbar hat sie vergessen, weshalb sie gekommen war. Egal, ich liebe Tante Hildegard.

Frühlingsfreuden II

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durch die Gegend gelinst

Auch wenn es nirgends so schön ist wie zuhause, zieht es so manchen Abbenröder hin und wieder einmal in die Ferne. Meist wird er dann aber bereits nach ein paar Tagen schon unruhig und sehnt sich an den Eckerstrand zurück.
Für alle, die lieber garnicht erst verreisen aber trotzdem etwas von der Welt sehen wollen, gibt es jetzt endlich eine Lösung:
Der Fotoklub Ilsenburg schickt seine Mitglieder in die schönsten Gegenden unseres Planeten und präsentiert seine Fotos dann in atemberaubenden Ausstellungen. Diese befinden sich in der Regel nur einen Steinwurf weit entfernt von der heimatlichen Couch so, daß man seine Beine zum Tagesausklang dort gemütlich wieder ausstrecken kann.
Die nächste Ausstellung der unermüdlichen Fotojunkies beginnt am kommenden Wochenende im Blankenburger Schloß. Ein Besuch lohnt sich mit Sicherheit.Ausstellung Fotoklub Ilsenburg

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uncharmant

Mitten in das Rücktrittsdrama unseres Bundespräsidenten platzte gestern die nächste Hiobsbotschaft: Zum Juni dieses Jahres schließt die PGH “Charmant” ihren Friseursalon in Abbenrode. Anders als im Falle Wulf scheint die Frage, wer das hohe Amt des Dorffigaros künftig bekleiden wird, niemanden zu nächtlichen Krisensitzungen zu bewegen. Auch die Medien halten sich eigenartigerweise mit Kommentaren zurück. Vielleicht liegt es daran, daß die Anrufbeantworter der regionalen Zeitungsreaktionen und Rundfunkanstalten im Nordharz aus Gründen der Energieeinsparung nach Feierabend abgeschaltet werden? Über die wahren Ursachen kann nur spekuliert werden.
Eines ist jedoch klar: Mit der Schließung dieses strategisch wichtigen Handwerksbetriebes gelingt den Urhebern des Vorhabens ein empfindlicher Schlag tief in die Weichteile der hiesigen Damenwelt. Vorbei scheint die Zeit, da zu dörflichen Höhepunkten wie Schützen – bzw. Feuerwehrball rassige Schönheiten mit kunstvoll onduliertem Haupthaar den männlichen Landbewohnern den Testosteronspiegel ankurbelten. Mag der Durchschnittsabbenröder auch gemeinhin nicht als Kostverächter gelten- der Anblick einer Dorfschönheit (wie oben abgebildet) die selbst Hand an ihre Locken legen musste, wird ihm das Blut in den Lenden gefrieren lassen. Es kann wohl davon ausgegangen werden, daß mit der Schliessung des Etablissements der Genozid einer ganzen Dorfgemeinde eingeläutet werden soll.
Wahrscheinlich werden wir nie erfahren, welch kranken Gehirnen diese perfiden Gedanken entsprungen sind, denn die Nordharzer Einheizfront wird dem Haarausfall nicht tatenlos zusehen.
Freunde, Bürger, Landsleute! Erhebt Eure Stimmen und protestiert mit uns gemeinsam gegen die Schliessung unseres Frieseursalons ! Heute ist es der Friseur, morgen die Turnhalle und übermorgen der Kindergarten. Überlegt, welche Einrichtungen es im Dorf einst gegeben hat und was davon noch übrig ist.
Auch ein Friseursalon muß natürlich wirtschaftlich betrieben werden. Wir alle gemeinsam haben es in der Hand, daß das möglich ist. In der Abbotheke werden wir eine Liste auslegen, in der Ihr mit Eurer Unterschrift dokumentieren könnt, daß Ihr an dieser Diensleistung im Dorf auch weiterhin interessiert seid. Damit gebt Ihr dem Betreiber oder einem beherzten Nachfolger eine wertvolle Kalkulationsgrundlage. Ihr könnt darin auch Eure Wünsche äußern. War Euch das Angebot bisher vielleicht zu hausbacken? Hattet Ihr Probleme mit den Öffnungszeiten? Habt Ihr spezielle Angebote vermisst? Sagt, wie ein Friseursalon sein muß, damit Ihr ihn besucht.
Oder wäre Euch solch eine Lösung lieber ?

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Kein Respekt vor dem Alter


Heute haben wir ernst gemacht und unseren Alten rausgeworfen. Es war zuletzt mit ihm nicht mehr auszuhalten. Er hat geächzt und rumort und konnte das Wasser nicht mehr halten. Seine Arbeit hat er nur noch mangelhaft verrichtet und dafür ständig versucht uns zu beweisen, daß wir von ihm abhängig seien. Das waren wir auch – bis gestern! Da kam der Neue. Heute nun mußte der Alte rücken. Eine Gnadenfrist lang gewähren wir ihm noch Asyl in der Abstellkammer. Dann werden wir ihn höchstwahrscheinlich einschläfern lassen müssen. Vielleicht kann er jemandem als Organspender noch einen letzten Dienst erweisen? Falls ein Bedürftiger hier mitliest: Melden Sie sich!

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